Mit Wohnmobil und Fahrrad durch Kroatien

Eine Reise ans Ende der Kräfte


Dienstag. Die Ankunft

 

Es ist zwei Uhr am morgen, als ich das Meer sehe. Eigentlich sehe ich es kaum, aber ich weiß, dass es da ist, denn ich habe die Küstenstraße erreicht. Fast schwarz liegt das Wasser unterhalb der Fahrbahn, nur das Mondlicht glitzert träge auf den flachen Wellenkämmen. Alles ist ruhig.

 

Nach der Fahrt durch Österreich und über kleine slowenische Landstraßen habe ich den Ort erreicht, an dem mein Urlaub beginnen soll: die kroatische Adria unterhalb Istriens. Der Tag war lang, ich bin müde, und am Straßenrand finde ich ein Plätzchen für das Wohnmobil.

 

Der größte Vorteil eines Wohnmobils im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln besteht darin, dass es über einen Kühlschrank verfügt, und – bei entsprechender Vorsorge – jederzeit kaltes Bier verfügbar ist. Ein solches hole ich jetzt heraus, setze mich still auf einen Campingstuhl (ebenfalls aus dem Wohnmobil, aber nicht gekühlt) und schaue den Sternen zu, die nichts weiter tun, als unbekümmert vor sich hinzuleuchten.

text text text



Mittwoch. Die Entdeckung einer Insel

 

Als ich am nächsten Morgen aufwache, ist das Meer immer noch da. Graublaue Wolkenberge türmen sich darüber, während auffrischender Wind die Reste morgendlicher Diesigkeit verweht. Ich koche Kaffee. Die Küstenlinie nach Süden ist ein dunstiges Einerlei, aber nach Norden hin – ganz nah – führt eine Brücke vom Festland zu einer Insel. Während ich den handgemachten Kaffee trinke öffnen sich die Wolken einen Spalt, und erste Sonnenstrahlen tauchen die Brücke in warmgelbes Licht. Glitzernd und wie eine Einladung liegt sie über dem Meer, und plötzlich kenne ich meinen Weg.

 

Wie sich bald herausstellen soll heißt die Insel Krk, und sie sieht aus, wie ihr Name klingt: schroff, vokallos und felsig. Der erste Blick scheint wenig einladend, der zweite bestätigt den ersten, und den dritten verschiebe ich auf später. Auf dem ersten Campingplatz quartiere ich mich ein und erfreue mich bester Infrastruktur: Aspirin, Hamburger und frische Bananen sind in unmittelbarer Nähe verfügbar.

 

Ich merke, dass mein letzter Campingurlaub schon länger zurückliegt: die sanitären Anlagen auf meinem Platz sind unfassbar sauber, großzügig, modern, und  würden manchem deutschen Mittelklassehotel gut zu Gesicht stehen. Nichts erinnert auch nur im Entferntesten an die Plumpsklos vergangener Tage aus Studentenbilligurlaubszeiten. Dass der Campingplatz über WLan verfügt, überrascht mich dann irgendwann auch nicht mehr. Willkommen im Südosteuropa des 21. Jahrhunderts.

 

Nachdem ich mich eingerichtet habe, beschließe ich, mir einen Überblick über die Insel zu verschaffen. Also packe ich das Fahrrad vom Träger, setze mich darauf, und trete los. Schnell zeigt sich, daß die Insel mit mehr Höhenmetern ausgestattet ist, als mir bewusst war und lieb ist. Als Flachlandradler zeigt mir der erste Höhenzug gleich unmissverständlich, wo meine Grenzen liegen. Vielleicht sollte ich doch lieber einen Roller mieten?

 

Das angrenzende Fischerdorf (mit Promenade am Meer!) hat neben den Geschäften, in denen der gemeine Tourist Ansichtskarten, Taucherflossen, Plantschtiere und Sonnenbrillen kaufen muß, tatsächlich noch einige echte Fischer in petto. Malerisch sehen sie nicht aus, aber authentisch.

 

00:20: ein Fuchs läuft über den Campingplatz.